November 2014: Stellungnahme zu den Plänen der Verwaltung, den Birnbaum am Spielplatz Krautländer zu fällen

Folgendes ist passiert:

In den Gemeinderat wurde eine Beschwerde (aus der Elternschaft?) über den Birnbaum am Spielplatz Krautländer eingebracht. Dieser verliere Birnen, die Wespen anziehen. Die Verwaltung beklagte, dass dieser Birnbaum nicht ersteigert worden war und daher nicht geerntet wird. Sie sah nur zwei Lösungen: Finden eines Baumpaten / einer Baumpatin oder Fällen des Baumes.

Zustimmung bekam die Verwaltung im Bau- und Umwelt-Ausschuss (BUA) für den Plan zu fällen nicht bzw. nur vereinzelt.

Es wurde sowohl angemerkt,

  • dass Kinder zu einem Wespen-adäquatem Verhalten angeleitet werden können,
  • aus der Natur lernen können – wenn man sie ihnen nicht vor der Nase „weg-fällt“ – und
  • man – wenn man dem Gedanken der Gefährdung folgen möchte – ebenso neben dem Spielplatz auf den Wiesen Gefahrenquellen beseitigen müsste (Klee ausrupfen?)

als auch

  • dass dieser spezielle Birnbaum Teil des Streuobstgürtels von Hinterweiler ist, dessen Bestand in ausgewählten Teilen bei der Aufstellung des Bebauungs-Plans „Krautländer“ extra beschlossen worden war.

Zum Glück hat sich im Anschluss –aufgrund der Berichterstattung in der Presse – eine Baumpatin gefunden. So wurde der Birnbaum gerettet.

Was wir dazu sagen:


Wir haben uns schnell per Mail kurzgeschlossen und uns zu dem Thema ausgetauscht.

Einige Zitate:

  • „...habe ich das als Vater nie als Bedrohung empfunden. Wir und ein anderer Nachbar haben immer wieder ein paar Birnen geholt ...“
  • „Die übrigen Apfelbäume am Fahrradweg haben auch keine Baumpatenschaften und werden ja auch nicht gefällt.“
  • „Es gibt noch einen weiteren Birnbaum auf dem Fahrradweg, .... Da hat man das gleiche Problem und ich hoffe, den will niemand fällen. Mit einer Bank darunter ist es richtig schön zu sitzen.“
  • „Die Welt wird immer verrückter und unseren Kindern wird nichts mehr zugemutet, außer Atomkraftwerke, verschmutzte Umwelt, Kriege und demographischer Wandel.“
  • „dass im ländlichen Raum im Spätsommer die eine oder andere Frucht reif wird, ist denke ich, durchaus bekannt und gewollt.“
  • „Wenn dagegen der Anspruch [...] tatsächlich dahin geht, dass von den Pflanzen und Tieren auf öffentlichem Grund wirklich keinerlei Gefahr für die Besucher dieser Flächen ausgeht, dann muss die Gemeinde noch viel weitreichendere Maßnahmen ergreifen: neben der Birne steht ja wohl ein Nussbaum. Der gehört natürlich ebenfalls gefällt, oder zumindest zur Reifezeit weiträumig eingezäunt. Schließlich können herabfallende Nüsse schwere Kopfverletzungen verursachen, und auf den kugelähnlichen Nüssen rutscht man nur allzu leicht aus ... . Das betrifft natürlich auch alle anderen Bäume im Flecken. Dass viele Gomaringer aber gerade wegen des ländlichen Charakters hier wohnen, ist dann leider nachrangig ...“
  • „Sicher hat die Gemeinde eine Verkehrssicherungspflicht. Hieraus aber abzuleiten, dass Obstbäume innerhalb des Ortes bzw. auf Spielplätzen zu roden sind, weil nicht verhindert werden kann, dass die Früchte Bienen anlocken, das geht in meinen Augen deutlich zu weit.“
  • „Birnen auflesen und zum Mosten bringen wäre doch ein tolles Event für einen Kindergarten.“
  • „manche Leute stört alles“
  • „Fälle? Bloß ette! Der blüht so schön und spendet Schatten. Ja, soll ich aufläse?“

Auch fand sich schnell eine Handvoll Leute, die sich gemeinsam um das Abernten des Baumes kümmern wollten.

Außerdem wurde die Situation vor Ort besichtigt – auch im Hinblick darauf, dass die Verwaltung in der BUA-Sitzung ausgeführt hatte, der neben dem Birnbaum stehende Walnussbaum werde durch den Birnbaum bald beeinträchtigt.

In der nächsten Gemeinderatssitzung wurde folgende Stellungnahme von uns abgegeben:

„Herr Heß, wir sind auch sehr froh, dass sich eine Baumpatin gefunden hat, aber dieses Thema muss doch etwas aufgearbeitet werden:

Herr Dr. Kälberer hat dankenswerterweise und völlig korrekt in der letzten BUA-Sitzung uns allen in Erinnerung gerufen, dass der Birnbaum Teil des Streuobstgürtels Hinterweiler ist. Im Bebauungs-Plan „Krautländer“ war beschlossen worden, dass dieser Bestand in ausgewählten Teilen zu erhalten ist. Dem ist die Gemeinde Gomaringen auch nach Jahren noch verpflichtet! Insofern hat die Baumpatin nicht nur den Birnbaum gerettet, sondern auch die Gemeindeverwaltung.

Außerdem: Die Gemeinde ist Mitglied im Streuobstparadies und zahlt einen jährlichen Beitrag. Das passt überhaupt nicht zu einer Fäll-Aktion!

Wir haben herum gefragt: Es herrschte Einigkeit darin, dass es sich bei der beschriebenen Situation nicht um eine Gefahrensituation handelt. Das Fällen des Birnbaums wäre eine völlig überzogene Reaktion. Das haben auch Eltern gesagt, die sich vor Ort auskennen und den Spielplatz häufiger frequentieren. Sie haben halt immer mal eingesammelt.

Wenn man sich vor Ort ein Bild macht, was die Verwaltung gemacht hat und was sehr zu loben ist, dann nimmt man sich bitte auch gleich Fachleute hinzu, z.B. den OGV. Das Ergebnis:

  • Jürgen Hirning, geprüfter Fachwart, 10 Jahre OGV Vorsitzender, hat festgestellt, dass Birn- und Walnussbaum noch 10 Jahre ohne gegenseitige Beeinträchtigung nebeneinander stehen können.
  • Möchte man dennoch dem Walnussbaum jetzt bereits etwas mehr Platz einräumen, so könnte ein in seine Richtung weisender Ast des Birnbaums rausgesägt werden.
  • Ebenso könnte ein Zwiesel, eine Art Nebenstamm, der für den Erhalt des Birnbaums nicht notwendig ist und in Richtung Spielplatz wächst, herausgesägt werden. Das würde die Situation nicht auflösen, aber entschärfen.
  • Herr Hirning hat sich bereit erklärt, dem Bauhof entsprechende Hilfestellung zu geben.
  • Es handelt sich im Übrigen wohl um eine Oberösterreichische Weinbirne, eine Mostbirne, die sich auch vorzüglich zu Schnaps verarbeiten lässt.

Schließlich: Die Meinung, dass Bäume in unserer Umwelt lebenswichtig sind (Sauerstoff) und auch in unserem direkten Umfeld erhalten werden müssen, kann nicht implizieren, dass man sich höchstpersönlich um jeden Baum zu kümmern hat. Andernfalls müssten die Fraktionen, die das Instandsetzen der Straßen auf ihre Fahne schreiben, selbst im Bagger sitzen.

Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit und hoffen sehr, dass in einem möglichen ähnlichen Fall in Zukunft mit mehr Mut eine andere Entscheidung getroffen werden wird.“

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