Haushaltsrede 2009

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schmiderer, werte Damen und Herren der Verwaltung, werte Kolleginnen und Kollegen,

keine Sorge, ich werde nicht singen; damit haben wir Sie schon auf der Weihnachtsfeier genug gequält, aber mir scheint auch, dass ich dort meine Kreativität gelassen habe, weil zu der heutigen Haushaltsrede mir nicht wirklich etwas zündend Neues eingefallen ist.

Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon manchen um die Besinnung gebracht (Joachim Ringelnatz) und ich habe mich dort unseres Haushaltes besonnen, unter Einsatz der Inspiration durch die Wasser der Ostsee im Kattegat; mit der Fähre unterwegs zu den Schwiegereltern, und unter ständiger Beobachtung eines kleinen dänischen Jungen, der sich vermutlich gefragt hat, was die Tante da für ein seltsames Buch liest? Sie sehen: ich habe keine Mühen gescheut!

 


Wir alle haben in den vergangenen Jahren und auch im gerade abgelaufenen Jahr einen großen Teil unserer schöpferischen Kraft in die Gomaringer Sport und Kulturhalle gesteckt haben? In eine Halle, bei der selbst die Fenster (vor Freude?) zerspringen.
Es war wie in dem Lied von Xavier Naidoo: der Weg war kein leichter, der Weg war steinig und schwer……aber dass er so steinig wird, wie sich der Zugangsbereich der Halle jetzt darstellt, hat uns doch überrascht und unvorbereitet getroffen.

Die Sierra Nevada Gomaringen ist doch einigermaßen gewöhnungsbedürftig und entspricht nicht unserer Vorstellung einer naturnahen Gestaltung. Aber: unser Geschmack wurde ja nicht abgefragt! Ist der Weg auch falsch und steinig, Hauptsach' ist, wir sind uns einig, wie Manfred Rommel mal gesagt hat. Immerhin sind wir uns darüber einig, dass es nicht einer der Steine war, der die Fenster zum zerspringen gebracht hat.
Allerdings, ob diese Gestaltung auf Dauer wenigstens wenig Pflegeintensität bedeutet, ist fraglich und nach der Ansicht von Fachleuten nicht wahrscheinlich. Wir hoffen das Beste und freuen uns umso mehr, dass die Verwaltung nun unseren Vorschlag vom letzten Jahr aufgegriffen hat und eine Stelle zur Bewirtschaftung der Halle einrichten will.
Wie sagt weiter Xavier Naidoo: Nicht mit vielem wirst du dir einig sein, doch dieses Leben bietet so viel mehr.
Und Gomaringen bietet mehr.
Häldle und Ochsengraben, einen Platz zum Fahrradfahren neben Schuppen fürs Gerümpel, viel Leben in den Kindis für Groß und auch für Klein, eine Schule, in der die Schüler ganztags wollen sein…..
Und insbesondere auf diesem Weg gehen wir auch mit dem neuen Haushalt weiter: im Bereich der Schule und Jugendarbeit, im Bereich der Kindergärten und bei der Kleinkindbetreuung. Das Betreuungsangebot wird ausgebaut und unser Ziel muss sein, es auch qualitativ auf ein höheres Niveau zu führen. Diese Entwicklung tragen wir voll mit und sehen sie mit großer Freude. Das bedeutet nicht nur einen besseren Arbeitsmarktzugang insbesondere für Frauen, sondern ist auch eine Investition in Wissen, die immer noch die besten Zinsen bringt laut Benjamin Franklin. Auch ist in Ländern mit einer hohen Betreuungsquote die Geburtenrate höher. Jaja, ich weiß, da haben wir in Gomaringen selbst noch nicht wirklich ein Problem damit, aber grundsätzlich sieht das Institut der Deutschen Wirtschaft im zu erwartenden Mangel an Arbeitskräften eine Wachstumsbremse. Sie sehen, auch dieser Aspekt bleibt mir als Grüne nicht verborgen, wobei ich natürlich immer auch bitte zu bedenken, dass die Richtung des Wachstums nicht aus dem Auge verloren werden darf.
Wir wundern uns auch gar nicht darüber, dass der Bedarf im Hortbereich jetzt so massiv angestiegen ist; es ist ein bekanntes Phänomen, dass wenn ein Angebot erstmal besteht, das auch Bedarfs steigernd wirkt. Die Eltern brauchten eben erstmal eine zuverlässige und planbare Betreuung, um selbst planen zu können.
Wir müssen also dran bleiben, um über die provisorische Lösung hinaus eine dauerhafte zu finden.
Das Stichwort Zinsen bringt mich auf die Finanz- und Wirtschaftkrise. Ich hoffe, dass diese für Gomaringen nur ein Täuschungsalarm (Feuerwehrjargon) darstellt und wir nicht - wie Peer Steinbrück (Bundesfinanzminister) davon ausgehen müssen, dass das Licht am Ende des Tunnels in Wirklichkeit der entgegenkommende Zug ist.
Ich denke gerade daran, dass ich noch in der letzten Haushaltsrede von einer erfreulichen Konjunkturentwicklung sprechen konnte! So schnell ändern sich die Zeiten!
Dennoch haben wir wichtige Aufgaben, die wir in jedem Fall meistern müssen.
Neben dem vorher genannten Schwerpunkt ist uns ganz wichtig auch der im Haushalt 2009 sich manifestierende Einstieg in die energetische Sanierung, der durch unseren Antrag zum Haushalt 2008 zur Erarbeitung eines Konzeptes zum wärmeseitigen Einsatz erneuerbarer Energien bei kommunalen Liegenschaften angestoßen wurde. Wir wünschen uns aber einen Einstieg in einem noch größeren Umfang und haben deshalb einen entsprechenden Antrag gestellt, denn laut dem chinesischen Philosophen Laotse und auch laut Molière ist man "Verantwortlich nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man unterlässt.“. Aber das hätten wir auch ohne Zitat gewusst, nicht wahr?
Vom Hochbau zum Tiefbau und zu den Niederungen des Ochsengrabens. Wir verbuddeln da viel Geld, nachdem wir die „Misere“ ans Tageslicht geholt haben. Nach unserer Ansicht ist das aber ein unverzichtbarer Beitrag für unsere Umwelt und damit für uns.
Wenigstens können wir uns in Gomaringen auf das bürgerschaftliche Engagement verlassen, ohne das wir vieles nicht hätten; vieles nicht bewältigen könnten. Gleich einzelnen Steinen eines Gewölbes, die sich gegenseitig stützen müssen, wenn nicht das Gewölbe zusammenbrechen soll. Dieses Bewusstsein haben die Gomaringer (die Meisten und meistens) und brauchen dafür nicht einmal Seneca, der um die Zeitenwende gelebt hat.
Wir möchten auch eine Idee dazu beisteuern, den „Wir-Gedanken“ der Bevölkerung noch weiter zu fördern und meinen, dass das mit weiteren Serviceangeboten der Verwaltung geschehen kann. Die Verwaltung würde damit noch bürgerfreundlicher gestaltet.
Ich möchte auf jeden Fall immer mit Gottfried August Bürger, einem dt. Dichter und Schriftsteller aus dem 18. Jahrhundert sagen dürfen: „Ich rühme mir mein Dörfchen hier.“

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
Für die Grüne Liste
Petra Rupp-Wiese

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